Was eine Tafelrunde ist
Die Schlaraffia kennt für ihre örtlichen Gemeinschaften mehrere Stufen, und sie geht sie nacheinander. Am Ende steht das Reych — eine örtliche Gemeinschaft mit eigenem Namen, eigenem Wappen, eigener Nummer und der Sanktion durch den Allschlaraffenrat. Davor liegt die Colonie: eine Gemeinschaft, die ein Mutterreych ins Uhuversum entlässt und die ihre Nummer schon trägt, aber noch nicht sanktioniert ist. Und davor liegen die kleinen Formen, in denen alles anfängt — ein Kreis, der sich regelmäßig trifft, ohne Nummer und ohne eigene Burg im vollen Sinn: der Stammtisch, das Feldlager, die Tafelrunde.
Wie lang dieser Weg sein kann, zeigt ein thüringisches Beispiel. Das Reych Zu den drey Gleichen begann 2014 als Stammtisch in einem Gothaer Restaurantkeller. Der Allschlaraffenrat erteilte, wie die Deutsche Schlaraffen-Zeitung es festhält, „dem Feldlager Gotha die Bewilligung zur Colonie-Gründung“ und teilte ihm die Nummer 432 zu; 2020 entließ das Mutterreych Vimaria die Colonie ins Uhuversum, und sanktioniert wurde erst 2023. Neun Jahre von der ersten Runde bis zum Reych.
Die Tafelrunde Teneriffa steht am Anfang eines solchen Weges. Sie führt keine Reychsnummer, und das ist kein Mangel, sondern eine Auskunft: Hier trifft sich ein Kreis, der die Sache selbst pflegt — die Sippung, die Fechsung, den Humor, die Freundschaft — und der die Formen noch vor sich hat. Was ein Gast erlebt, ist davon unberührt. Gesippt wird gesippt.
Eines sagen wir hier offen, weil es zur Redlichkeit gehört: Welche Stellung eine Tafelrunde in der Ordnung Allschlaraffias genau einnimmt, ist auf dieser Seite nicht belegt. Nachweisbar ist nur die Reihe, die das Beispiel des Reyches 432 zeigt — Feldlager, dann Colonie mit Nummer, dann Reych mit Sanktion. Wo die Tafelrunde darin ihren festen Platz hat, ob vor dem Feldlager oder neben ihm, klären wir aus den Ordnungen des Bundes, bevor wir es behaupten. Die Wörter, die auf dieser Seite vorkommen, erklärt das Glossar der Netzwerkseite schlaraffenfreunde.de.
Ein Anlandeplatz, der eine Stadt wurde
Zur Geschichte unserer Runde liegen uns noch keine Unterlagen vor — wohl aber zu dem Ort, an dem wir sitzen. Und der trägt ungewöhnlich viel.
Puerto de la Cruz liegt im Valle de la Orotava an der Nordküste Teneriffas, auf 8,84 Quadratkilometern und im Mittel neun Meter über dem Meer. Bis 1808 war der Ort nicht einmal eine eigene Stadt, sondern der Hafen von La Orotava — und das erklärt, warum sein botanischer Garten bis heute den Namen des Nachbarorts trägt.
Angefangen hat es mit einer Schlucht. Schon vor 1502 wurde die Mündung des Barranco San Felipe als Anlandeplatz für die Güter des täglichen Bedarfs von La Orotava genutzt; die Schiffe lagen auf Reede, die Ladung wurde mit Booten an den Strand gerudert und mit Wagen und Maultieren hinaufgebracht. Straßen und Brücken gab es auf der Insel nicht. Die Städte La Orotava und La Laguna waren mit Absicht landeinwärts angelegt, weil Überfälle vom Meer her drohten.
1603, hundert Jahre nach dem Beginn der spanischen Besiedlung des Tales, ließ der Rat in La Laguna Grundstücke für eine Kirche, Wege und Bauland abstecken. Ein Jahr später begann man mit den Grundmauern des Castillo San Felipe; fertig wurde die Anlage erst 1655. Und dann ging es schnell: von 180 Einwohnern im Jahr 1604 auf 2826 im Jahr 1707. Der Anteil des Hafens am Warenumschlag der ganzen Insel stieg von 2,1 Prozent im Jahr 1601 auf 84,6 Prozent im Jahr 1690.
Wer diesen Aufstieg trug, waren Kaufleute von außen — vor allem Briten, die den Weinhandel nach England beherrschten, dazu Portugiesen und Franzosen. Ein Teil von ihnen blieb und übersetzte seinen Namen ins Spanische: aus White wurde Blanco, aus Callaghan Cólogan.
La Chercha
Aus dieser fremden Kaufmannschaft entstand eine Besonderheit, die den Ort weit über die Insel hinaus bemerkenswert macht. Die anglikanischen Engländer durften auf dem allgemeinen Friedhof nicht bestattet werden. Deshalb legte man schon im siebzehnten Jahrhundert in der Nähe des Castillo San Felipe einen eigenen Begräbnisplatz an. Er heißt bis heute La Chercha — vom englischen churchyard —, ist von einer Mauer umgeben und durfte auf Betreiben der katholischen Kirche bis in die jüngste Zeit nach außen kein Kreuz tragen.
Es handelt sich um den ersten nichtkatholischen Friedhof im Spanien der Neuzeit. Eine deutschsprachige Runde, die sich in diesem Ort trifft, sitzt an einem Platz, an dem religiöse und sprachliche Fremdheit schon vor dreihundertfünfzig Jahren geregelt werden musste.
Fünf Tage im Brachmond 1799
Im Juni 1799 — im Brachmond, wie der Schlaraffe sagt, denn unsere Monate tragen die alten deutschen Namen — hielt sich Alexander von Humboldt zu Studienzwecken fünf Tage auf Teneriffa auf und bestieg den Pico del Teide. Es waren fünf Tage von vielen Jahren auf Reisen, und sie haben doch genügt: Das Orotava-Tal gehört seit Humboldt zu den Landschaften, die in europäischen Reisebeschreibungen als Maßstab genannt werden. In der Villa de Orotava trug später ein Kurhaus seinen Namen; dessen Garten legte jener Gärtner an, von dem gleich noch die Rede sein wird.
Der Berg, den Humboldt bestieg, ist heute Kern eines Nationalparks; die Kraterlandschaft des Teide steht auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes.
Der Botánico — Spaniens zweiter botanischer Garten
Am 17. Erntemond 1788 — dem 17. August — erließ König Karl III. von Spanien die Gründungsanordnung für einen Garten, in dem die Sammler in den spanischen Kolonien der Neuen Welt ihre exotischen Pflanzen zusammentragen sollten; nach einer Zeit der Anpassung sollten diese in die königlichen Gärten von Madrid und Aranjuez weiterwandern. Nach dem Königlichen Botanischen Garten in Madrid war dies der zweite botanische Garten Spaniens.
Den Standort suchte Alonso de Nava y Grimón, der sechste Marqués de Villanueva del Prado (1757–1832); bereitgestellt hat ihn sein Schwiegervater. Karl III. starb wenige Monate nach seinem Erlass; sein Nachfolger Karl IV. hielt am Vorhaben fest. 1790 begannen die Arbeiten nach Plänen des Architekten Diego Nicolás Eduardo, 1791 war der Entwurf fertig, 1792 wurden die ersten fünfunddreißig Setzlinge gepflanzt.
Die Hauptidee scheiterte: Das Klima im Inneren der Iberischen Halbinsel ist ein anderes als das von Teneriffa, und die Anpassung im Weiterziehen funktionierte nicht. Der Garten aber blieb. Seit 1994 steht er als jardín histórico unter Denkmalschutz, und weil Puerto de la Cruz einst Puerto de La Orotava hieß, heißt er noch immer Jardín de Aclimatación de La Orotava — meist nur „El Botánico“.
Hermann Wildpret
Am 15. Erntemond 1860 übernahm ein Sechsundzwanzigjähriger die Stelle des Obergärtners im Botánico. Hermann Josef Wildpret (1834–1908) war im damaligen Fischerdorf Warmbach am Hochrhein geboren, heute ein Ortsteil von Rheinfelden in Baden; der Vater war Schweizer, und Schweizer blieb auch der Sohn. Gelernt hatte er in Aarau, gewandert war er über Zürich und Besançon, und seit 1856 arbeitete er auf Teneriffa.
Was er aus dem Garten machte, lässt sich in zwei Zahlen sagen: Bei seinem Antritt standen dort 220 Pflanzenarten, im Jahr 1879 waren es 2486. Unter seiner Leitung — sie dauerte bis 1893 — erlangte der Botánico in der Fachwelt Weltruf; außer dem Pico del Teide ist nichts auf dieser Insel in zeitgenössischen Reisebeschreibungen so oft und so ausführlich beschrieben worden.
Wildpret hat mehr als fünftausend Pflanzenarten auf die Kanarischen Inseln gebracht und viele einheimische in die ganze Welt. Die öffentlichen Grünanlagen von Santa Cruz, der Villa de Orotava und von Puerto de la Cruz gehen auf seine Initiative und seine Leitung zurück. Im Windmond 1866 — im November — begleitete er Ernst Haeckel auf den Teide; es war die erste bekannte gelungene Winterbesteigung des Berges. Nicolas Baudin war 1797 an mangelhafter Ausrüstung gescheitert, Wildpret hatte Nagelschuhe und einen Eispickel dabei.
Und dann noch dies, weil es zu einem Schlaraffen passt: Als sein Vorgesetzter von ihm verlangte, die spanische Staatsangehörigkeit anzunehmen, weigerte er sich entrüstet und beendete 1894 seine Anstellung. Er unterstützte danach seine Söhne, die in den beginnenden Kanaren-Tourismus und ins Hotelgeschäft investierten.
Sein Name steht heute an zwei Stellen. Eine Pflanzengattung heißt nach ihm, Wildpretina. Und der große Natternkopf, der auf dieser Insel „Stolz Teneriffas“ genannt wird, heißt botanisch Echium wildpretii — Wildprets Natternkopf.
Warum hier deutsch gesprochen wird
Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zeigten sich die Anfänge eines Fremdenverkehrs. Gegen Ende des Jahrhunderts öffneten die ersten richtigen Hotels, häufig in ehemaligen Herrenhäusern; 1893 wurde das Taoro Grand Hotel mit mehr als hundert Zimmern fertig. Die Gäste waren zunächst Engländer, die das Klima der Nordküste suchten; viele blieben dauerhaft, 1890 wurde eine englische Kirche gebaut, und seit 1903 gibt es eine umfangreiche private Leihbibliothek.
Die deutschsprachige Gemeinde ist nur wenig jünger und an einem Datum festzumachen. 1909 schloss sich in Puerto de la Cruz eine Gruppe deutscher und schweizerischer Familien zusammen, um eine kleine Privatschule zu gründen. Aus ihr wurde über Zwischenschritte die heutige Deutsche Schule: ab 1919 regelmäßiger Unterricht im Gartenhaus des deutschen Konsuls in Santa Cruz, 1924 eine Grundschule im Gartenhaus einer Familie, 1927 die Zusammenlegung, 1928 ein eigenes Haus. Am 12. Windmond 1932 wurde ein Deutscher Schulverein als Träger gegründet; zu ihm gehörte später auch die 1933 gegründete Deutsche Schule in Puerto de la Cruz.
Zwei Generationen später kam der Ort zu seiner bekanntesten Einrichtung, und auch sie hat eine deutschsprachige Wurzel. Am 17. Christmond 1972 — am 17. Dezember — eröffnete der damals dreiunddreißigjährige Wolfgang Kiessling aus einer Kölner Kaufmannsfamilie zusammen mit seinem Vater den Loro Parque: auf dreizehntausend Quadratmetern, mit einhundertfünfzig Papageien und einer Papageienschau. Loro ist das spanische Wort für Papagei. 1984 fand hier die erste Papageien-Flugschau Europas statt, 1986 der erste Internationale Papageienkongress mit sechshundert Teilnehmern, 1994 wurde die Loro-Parque-Stiftung gegründet. Heute umfasst der Park rund einhundertfünfunddreißigtausend Quadratmeter mit etwa viertausendfünfhundert Tieren in fünfhundertsiebzig Arten, und in der Anlage arbeitet eine Forschungsstation des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz.
Ein Ort, in dem ein Schweizer den botanischen Garten zu Weltruf brachte, in dem deutsche und schweizerische Familien 1909 eine Schule gründeten und in dem eine Kölner Familie den größten Zoo der Insel aufbaute, ist für eine deutschsprachige Tafelrunde keine Zufallsadresse. Diese Reihe erzählt die Seite Deutschsprachig auf Teneriffa ausführlich.
Ein Tal, das vom Passat lebt
Ein Wort noch zum Ort selbst, weil es erklärt, warum eine Runde hier überhaupt eine Saison haben kann. Die Nordküste ist nicht der trockene Süden. Der feuchte Nordost-Passat trifft hier auf die Insel; im Jahresmittel fallen 371,9 Millimeter Regen, die Durchschnittstemperatur liegt bei 19,0 Grad, im Januar bei 16,0 und im September bei 22,4.
Um die Stadt liegen Bananenplantagen und Weinbauflächen — das Valle de la Orotava ist ein eigenes Weinbaugebiet —, und auf den Feldern wachsen die kanarischen Kartoffeln, aus denen die Papas arrugadas werden. Ein Land, das Wein und Salz kennt, muss einer schlaraffischen Runde nicht erst erklärt werden.
Wo und wann getafelt wird
Hier stehen wir vor der einzigen Lücke, die diese Seite selbst nicht schließen kann. Die spanische Fassung dieser Netzseite nennt in ihrer Fußzeile: Treffen in deutscher Sprache in Puerto de la Cruz, in der Regel von Oktober bis April, freitags um 13 Uhr. Die deutsche Fassung sagt an derselben Stelle etwas anderes, nämlich „wöchentlich“ — ein Satz aus der allgemeinen Vorlage, der zu einer Runde mit Saison nicht passt.
Wir geben die spanische Angabe hier wieder, weil sie die genauere ist, und sagen zugleich: Sie ist noch nicht bestätigt, und eine Anschrift der Burg nennt diese Netzseite bisher nicht. Wer uns besuchen möchte, frage deshalb bitte kurz vorher an — dann bekommt er Ort und Zeit aus erster Hand. Gäste sind willkommen; ein Besuch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.
Zur Geschichte der Tafelrunde Teneriffa liegen im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv bislang keine Unterlagen vor. Wir nennen deshalb bewusst kein Gründungsjahr, kein Patenreych und keine Burgadresse — was wir dazu nicht belegen können, behaupten wir nicht. Was auf dieser Seite über die Runde selbst steht, stammt aus ihren eigenen Angaben; die Angaben zu Puerto de la Cruz, zum Botánico, zu Hermann Wildpret, zu Humboldt, zur Deutschen Schule und zum Loro Parque sind einzeln aus öffentlich zugänglichen Darstellungen nachgewiesen. Ausdrücklich offen bleiben: das Gründungsjahr und der Anlass der Runde; ob sie einem Reych oder einem Sprengel zugeordnet ist; die genaue Stellung einer Tafelrunde in der Ordnung Allschlaraffias; Ort und Anschrift der Burg; und die Frage, ob die Saison von Oktober bis April, freitags um 13 Uhr, so gilt. Wer zu einem dieser Punkte etwas beitragen kann, möge sich bitte melden. Stand: September 2026.
Geschichte der Schlaraffia
🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.
Die Wiege: Prag, 1859
Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.
Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.
Das Spiel breitet sich aus
Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.
New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.
Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte
Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.
Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.
Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss
Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.
Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.
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