Dass auf Teneriffa deutsch gesprochen wird, ist kein Nebenprodukt des Massentourismus. Die Spur reicht in Puerto de la Cruz urkundlich bis 1909 zurück und ist mit Namen belegt: ein Preuße, der fünf Tage blieb und eine Landschaft berühmt machte; ein Schweizer Gärtner, der aus einem gescheiterten Königsprojekt einen weltbekannten Garten machte; deutsche und schweizerische Familien, die eine Schule gründeten; eine Kölner Kaufmannsfamilie, die den größten Zoo der Insel aufbaute. Diese Seite erzählt diese Reihe — und endet bei einer Runde, in der deutsch gesprochen wird.
Vorgeschichte: das Fremdsein war hier immer schon geregelt
Bevor die ersten Deutschen kamen, waren die Engländer da. Puerto de la Cruz war bis 1808 keine eigene Stadt, sondern der Hafen von La Orotava, und diesen Hafen machten fremde Kaufleute groß — vor allem Briten, die den Weinhandel nach England beherrschten, dazu Portugiesen und Franzosen. Der Anteil des Hafens am Warenumschlag der ganzen Insel stieg von 2,1 Prozent im Jahr 1601 auf 84,6 Prozent im Jahr 1690. Manche blieben und übersetzten ihren Namen: aus White wurde Blanco, aus Callaghan Cólogan.
Aus dieser fremden Kaufmannschaft ging eine Besonderheit hervor, die weit über die Insel hinaus bemerkenswert ist. Die anglikanischen Engländer durften auf dem allgemeinen Friedhof nicht bestattet werden. Deshalb legte man schon im siebzehnten Jahrhundert in der Nähe des Castillo San Felipe einen eigenen Begräbnisplatz an. Er heißt bis heute La Chercha — vom englischen churchyard —, ist von einer Mauer umgeben und durfte auf Betreiben der katholischen Kirche bis in die jüngste Zeit nach außen kein Kreuz tragen. Es ist der erste nichtkatholische Friedhof im Spanien der Neuzeit.
Wer hier als Fremdsprachiger zusammenkommt, tut das also nicht als Erster. Der Ort hat dreihundertfünfzig Jahre Übung darin.
1799 — Humboldts fünf Tage
Im Juni 1799 — im Brachmond, wie der Schlaraffe sagt, denn unsere Monate tragen die alten deutschen Namen — hielt sich Alexander von Humboldt zu Studienzwecken fünf Tage auf Teneriffa auf und bestieg den Pico del Teide. Fünf Tage von vielen Jahren auf Reisen, und sie haben genügt: Das Orotava-Tal gehört seit Humboldt zu den Landschaften, die in europäischen Reisebeschreibungen als Maßstab genannt werden. In der Villa de Orotava trug später ein Kurhaus seinen Namen.
Der Berg, den er bestieg, ist heute Kern eines Nationalparks; die Kraterlandschaft des Teide steht auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes. Und den Garten des Humboldt-Kurhauses legte jener Mann an, um den es im nächsten Abschnitt geht.
Der Garten, den ein König anordnete
Am 17. Erntemond 1788 — dem 17. August — erließ König Karl III. von Spanien die Gründungsanordnung für einen Garten, in dem die Sammler in den spanischen Kolonien der Neuen Welt ihre exotischen Pflanzen zusammentragen sollten; nach einer Zeit der Anpassung sollten sie in die königlichen Gärten von Madrid und Aranjuez weiterwandern. Nach dem Königlichen Botanischen Garten in Madrid war dies der zweite botanische Garten Spaniens.
Den Standort suchte Alonso de Nava y Grimón, der sechste Marqués de Villanueva del Prado (1757–1832); bereitgestellt hat ihn sein Schwiegervater. Karl III. starb wenige Monate nach seinem Erlass, sein Nachfolger Karl IV. hielt am Vorhaben fest. 1790 begannen die Arbeiten nach Plänen des Architekten Diego Nicolás Eduardo, 1791 war der Entwurf fertig, 1792 wurden die ersten fünfunddreißig Setzlinge gepflanzt.
Die Hauptidee scheiterte. Das Klima im Inneren der Iberischen Halbinsel ist ein anderes als das von Teneriffa; die Anpassung im Weiterziehen funktionierte nicht. Der Garten aber blieb, steht seit 1994 als jardín histórico unter Denkmalschutz und heißt, weil Puerto de la Cruz einst Puerto de La Orotava hieß, noch immer Jardín de Aclimatación de La Orotava — meist nur „El Botánico“. Was aus dem gescheiterten Projekt wurde, ist das Werk eines Schweizers.
Hermann Wildpret — vom Hochrhein in den Botánico
Hermann Josef Wildpret (1834–1908) wurde im damaligen Fischerdorf Warmbach am Hochrhein geboren, heute ein Ortsteil von Rheinfelden in Baden. Der Vater war Schweizer, und Schweizer blieb auch der Sohn — eine Kleinigkeit, die am Ende seiner Anstellung noch eine Rolle spielt. Gelernt hat er in Aarau, gewandert ist er über Zürich und Besançon, und seit 1856 arbeitete er auf Teneriffa.
Am 15. Erntemond 1860 übernahm er mit sechsundzwanzig Jahren die Stelle des Obergärtners im Botánico. Er hat sie bis 1893 gehalten. Was er in dieser Zeit aus dem Garten machte, lässt sich in zwei Zahlen sagen:
- bei seinem Antritt 1860: 220 Pflanzenarten
- im Jahr 1879: 2486 Pflanzenarten
Unter seiner Leitung erlangte der Botánico in der Fachwelt Weltruf. Außer dem Pico del Teide ist nichts auf dieser Insel in zeitgenössischen Reisebeschreibungen so oft und so ausführlich beschrieben worden. Insgesamt hat Wildpret mehr als fünftausend Pflanzenarten auf die Kanarischen Inseln gebracht und viele einheimische in die ganze Welt.
Seine Arbeit blieb nicht im Garten. Die öffentlichen Grünanlagen von Santa Cruz, der Villa de Orotava — darunter der Garten des Humboldt-Kurhauses — und von Puerto de la Cruz gehen auf seine Initiative und seine Leitung zurück. Wer heute in diesem Ort unter alten Bäumen sitzt, sitzt mit großer Wahrscheinlichkeit in einer Anlage, die ein deutschsprachiger Gärtner geplant hat.
Der Teide im Windmond 1866
Eine Geschichte gehört eigens erzählt. Im Windmond 1866 — im November — begleitete Wildpret den Zoologen Ernst Haeckel auf den Teide. Es war die erste bekannte gelungene Winterbesteigung des Berges. Nicolas Baudin war 1797 an mangelhafter Ausrüstung gescheitert; Wildpret hatte Nagelschuhe und einen Eispickel dabei. Der Unterschied zwischen einem Vorhaben und einem Erfolg war, wie so oft, eine Frage des Schuhwerks.
Eine verweigerte Einbürgerung
Und dann dies, weil es zu einer schlaraffischen Runde passt: Als sein Vorgesetzter von ihm verlangte, die spanische Staatsangehörigkeit anzunehmen, weigerte sich Wildpret entrüstet und beendete 1894 seine Anstellung — nach vierunddreißig Jahren im Garten, den er selbst geschaffen hatte. Er unterstützte danach seine Söhne, die in den beginnenden Kanaren-Tourismus und ins Hotelgeschäft investierten. Ein Mann, der eher geht als sich biegt, und dessen Kinder dann das Gastgewerbe aufbauen: Das ist eine Biographie, gegen die eine Tafelrunde nichts einzuwenden hat.
Sein Name steht heute an zwei Stellen. Eine Pflanzengattung heißt nach ihm, Wildpretina. Und der große Natternkopf, der auf dieser Insel „Stolz Teneriffas“ genannt wird, heißt botanisch Echium wildpretii — Wildprets Natternkopf. Wer die rotblühende Kerze im Hochland des Teide fotografiert, fotografiert einen deutschsprachigen Namen.
1909 — die Schule
Die englische Gemeinde des Ortes hatte sich Einrichtungen geschaffen: 1890 eine englische Kirche, seit 1903 eine umfangreiche private Leihbibliothek, 1893 das Taoro Grand Hotel mit mehr als hundert Zimmern. Die deutschsprachige Gemeinde ist nur wenig jünger — und sie ist an einem Datum festzumachen.
1909 schloss sich in Puerto de la Cruz eine Gruppe deutscher und schweizerischer Familien zusammen, um eine kleine Privatschule zu gründen. Aus ihr wurde über Zwischenschritte die heutige Deutsche Schule:
- ab 1919 — regelmäßiger Unterricht im Gartenhaus des deutschen Konsuls in Santa Cruz
- 1924 — eine Grundschule im Gartenhaus einer Familie
- 1927 — die Zusammenlegung
- 1928 — ein eigenes Haus, Numancia 33
- 12. Windmond 1932 — Gründung eines Deutschen Schulvereins als Träger
- 1933 — zu ihm gehörte später auch die Deutsche Schule in Puerto de la Cruz
Eine Schule ist der härteste Beleg dafür, dass eine Sprachgemeinschaft nicht auf Durchreise ist. Wer eine Schule gründet, bleibt.
1972 — der Loro Parque
Zwei Generationen später kam der Ort zu seiner bekanntesten Einrichtung, und auch sie hat eine deutschsprachige Wurzel. Am 17. Christmond 1972 — am 17. Dezember — eröffnete der damals dreiunddreißigjährige Wolfgang Kiessling aus einer Kölner Kaufmannsfamilie zusammen mit seinem Vater den Loro Parque: auf dreizehntausend Quadratmetern, mit einhundertfünfzig Papageien und einer Papageienschau. Loro ist das spanische Wort für Papagei.
- 1984 — die erste Papageien-Flugschau Europas
- 1986 — der erste Internationale Papageienkongress mit sechshundert Teilnehmern
- 1994 — Gründung der Loro-Parque-Stiftung
Heute umfasst der Park rund einhundertfünfunddreißigtausend Quadratmeter mit etwa viertausendfünfhundert Tieren in fünfhundertsiebzig Arten, und in der Anlage arbeitet eine Forschungsstation des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz. Aus einhundertfünfzig Papageien ist eine Forschungseinrichtung geworden.
Und heute: eine Runde, in der deutsch gesprochen wird
Ein Ort, in dem ein Schweizer den botanischen Garten zu Weltruf brachte, in dem deutsche und schweizerische Familien 1909 eine Schule gründeten und in dem eine Kölner Familie den größten Zoo der Insel aufbaute, ist für eine deutschsprachige Runde keine Zufallsadresse. Die Tafelrunde Teneriffa ist das jüngste Glied dieser Reihe: eine schlaraffische Runde, die sich in Puerto de la Cruz in deutscher Sprache trifft — zu einer Sippung, wie der Schlaraffe seine Zusammenkunft nennt.
Sie führt, anders als ein Reych, keine Nummer; sie steht am Anfang eines Weges, den die Schlaraffia in Stufen geht. Was das bedeutet und was ein Gast erwarten darf, steht auf unserer Geschichtsseite. Wer auf Teneriffa deutschsprachigen Anschluss sucht — als Zugezogener, als Langzeitgast oder als Urlauber —, ist bei uns willkommen. Ein Besuch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.
Diese Seite ist profane Ortsgeschichte. Sie stützt sich auf öffentlich zugängliche Darstellungen zu Puerto de la Cruz, zum Jardín de Aclimatación de La Orotava, zu Hermann Wildpret, zur Deutschen Schule und zum Loro Parque; jede Angabe ist im Prüfvermerk zu dieser Netzseite einzeln nachgewiesen. Kein Punkt dieser Seite stammt aus schlaraffischen Quellen. Zur Geschichte der Tafelrunde Teneriffa selbst liegen im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv bislang keine Unterlagen vor: Gründungsjahr, Patenreych und Anschrift der Burg sind deshalb nicht genannt — wir behaupten nichts, was wir nicht belegen können. Ebenso offen bleibt, ob sich die Runde von Oktober bis April, freitags um 13 Uhr, trifft; diese Angabe steht bisher nur in der spanischen Fassung dieser Netzseite und ist unbestätigt. Wer Ergänzungen oder Berichtigungen beitragen kann, möge sich bitte melden. Stand: September 2026.